Demokratie und Klassenkampf im Altertum. (Rosenberg) Roter Leitfaden durch die römische Geschichte. (Hoevels)
De rooie rat is failliet, u kunt niet meer bestellen. ISBN: 9783894848101 Taal: Duits Jaar: 2008 geschiedenisZur Neuauflage
Es ist jetzt lange her, da� mein �Roter Leitfaden� am Apparat vorbei eine wenn auch winzige �ffentlichkeit erreicht hat; zu korrigieren habe ich an ihm nichts, zu ergänzen war zu jedem Zeitpunkt jede Menge. Seinen Zweck der �bersichtsstiftung wird er dennoch auch weiterhin erfüllen können; wie man ihn in dieser Hinsicht, der einzigen, auf die sein Verfasser Wert legte, weiter verbessern könnte, ist diesem nicht eingefallen.
Allerdings hat sich an der Welt, zu deren Kenntnisnahme diese Schrift jetzt wieder aufgelegt wird, einiges verändert: erstens gibt es keine Staaten mehr in ihr, die sich da und dort zu Recht, meistens aber zu Unrecht auf Marx und Engels berufen, und zweitens ist sie insgesamt der Spätantike strukturell sehr viel ähnlicher, ja trostlos ähnlich geworden, in »Basis« wie »�berbau«, der Besitz, diesmal das jahrhundertealte, aber in der Antike in seiner eigentlichen Gestalt fehlende Kapital, hat eine extreme Konzentration erreicht, die seinen gewohnten, noch nicht ganz trostlosen Charakter quasi-byzantinisch verändert, ein allmächtiger Imperialismus, diesmal der US-amerikanische, beherrscht ausweglos die Welt, und aus der Sphäre des »Geistes« sind Kühnheit, Freiheitswille, Neugier auf �bersicht und Ursprung der Dinge, in der Konsequenz auch jede echte Wissenschaftlichkeit verschwunden, während religiöse Vernebelung durch Privilegierung und Alimentierung ein wachsendes Gelände zurückerobert, das sie allerdings mit dem neuen Suggestionsapparat des Fernsehens und einer wiederum wahrhaft byzantinisch gleichgeschalteten Presse teilen mu�. An den Oberflächenphänomenen eines allgemeinen Absterbens der Vernunft und des staatsbürgerlichen Denkens, weichlicher Massenfügsamkeit und Projektionswilligkeit, nicht zu reden von den wuchernden Steuern für einen immer lückenloseren Unterdrückungs-(»�berwachungs«-)Apparat im Innern, zu dem ja auch gegen Ende das römische Militär heruntergekommen war, frumentariorum pestis, das dafür die Grenzen immer mangelhafter schützte, ist die Strukturparallele zur Spätantike am leichtesten zu erkennen oder wenigstens zu erahnen.
Die Antike war der erste Fehlstart der Menschheit â?? einen Demokrit oder Epikur brachte sie noch sehr lange danach beispielsweise nicht mehr zustande â??, die Neuzeit der zweite. Wir erleben gerade nach hoffnungsvollen Anfängen und gediegenen, aber verspäteten Chancen diese zweite Bauchlandung, und deshalb tun wir gut daran, uns mit der ersten zu beschäftigen, damit wir die zweite besser verstehen können.
Als ich den â?ºRoten Leitfadenâ?¹ erstmals veröffentlichte, war mir das Monumentalwerk Gibbons zur Spätantike noch unbekannt â?? natürlich wuÃ?te ich, wie so viele Altphilologen, wohl von seiner Existenz, hatte es aber nicht gelesen. Dabei ist es trotz seines hohen Alters mit allen dessen stilistischen und perspektivischen Folgen, an die man sich aber leicht gewöhnen kann, das bei weitem verständigste und seinem Gegenstand angemessenste Werk, das zum Thema jemals erschienen ist bzw. konzipiert wurde. Die einzigartige Fähigkeit dazu verdankt sein Verfasser offensichtlich dem Nachvollzug der Gedanken von Thomas Hobbes; man könnte diese, ginge dessen Werk jemals verloren, in den Grundzügen ohne weiteres aus demjenigen Gibbons rekonstruieren. DaÃ? wiederum dessen besondere Stärke in der Verständlichmachung des Aufkommens des Christentums sowie des Islams liegt, zwei ideologischen Weltverpestungen, deren durchschlagende Wirkung wohl die meisten Bewohner dieses bisher so weitgehend verpfuschten Planeten an sich selbst erfahren konnten, egal ob Mitglieder dieser Religionen oder nicht, wird vielen meiner Leser schon bekannt sein.
Nun ist offenkundig, daÃ? ich die Geschichtsanalyse von Marx und Engels trotz einiger Detailmängel, die bei keinem groÃ?angelegten Pionierwerk ausbleiben können, für den bei weitem leistungsfähigsten Schlüssel zu allen Phänomenen der menschlichen Geschichte halte â?? d.h. von Autoren, die ohne Wenn und Aber von der allgemeinen menschlichen Freiheitsfähigkeit ausgingen und sich, ob nun zu Recht oder zu Unrecht, die Realisierung und Sicherung dieser Freiheit von dem allgemeinen und gleichen Zugang zu den Produktionsmitteln und daher deren gemeinsamer demokratischer Verwaltung versprachen, während Hobbes dafür bekannt ist, diese Freiheitsfähigkeit zu bestreiten und deshalb Apologet der absoluten Monarchie geworden zu sein, eine Bestreitung, in der ihm Gibbon mit Ã?berzeugung folgt und darum auch nur geborene Privilegierte, Erben oder, immerhin, Professionsträger für glücksfähig, alle anderen Menschen jedoch gerade aufgrund ihrer leicht zu beobachtenden Ã?bersichtslosigkeit für unfähig zur Selbstregierung und daher grundsätzlich zum Unglück verdammt hält, was sich aus der Geschichte illustrieren läÃ?t. Schärfere Gegensätze scheinen kaum denkbar zu sein, und wie läÃ?t sich dann die Wertschätzung beider Autorengruppen in einem Kopf miteinander vereinbaren?!
Nun, der Gegensatz ist kleiner als er scheint, er hebt sich in jedem Fall gerade unter dem Aspekt der Wahrheit äu�erst vorteilhaft von der Verbreitung eines Bildes der besten oder nahezu besten aller Welten ab, wie sie uns bezahlte Ideologen seit den ersten Sätzen der Thora ("und sah, da� es gut war") und ihrem selbstgefälligen Jahwe immer wieder vorgaukeln. Zum Verständnis einer so, wie wir sie vorfinden, allemal schlechten Welt und daher auch Geschichte sind sie alle beide besser geeignet als deren offene oder versteckte Apologie, und so wenig Hobbes oder Gibbon die Produktionsverhältnisse als universalen Schlüssel zu allen Geschichtsphänomenen schon entdeckt hatten, so sehr teilten sie mit den späteren Wissenschaftlern Marx und Engels den Willen zum illusions- und gehorsamslosen Verständnis der Geschichte, und das macht nicht nur ihre Gedanken zu deren Mechanik und Ablauf auf weite Strecken miteinander kompatibel, sondern erklärt auch die Hochachtung, mit der Marx, wenn er ihn erwähnt, stets von Hobbes spricht, den er übrigens, wie seine Spontanübersetzungen des jeweils gleichen Hobbes-Satzes an verschiedenen Stellen seines Gesamtwerks nahelegen, aus dem Kopf zitieren konnte. Worin besteht nun der Verständniszuwachs, den uns der Hobbes-Anhänger Gibbon bei der Betrachtung der Spätantike liefern kann, deren genauere Durchdringung Marx und Engels offenbar versagt blieb, während spätere Autoren, die sich auf sie beriefen, dazu ohnehin kaum in der Lage waren, am wenigsten die unansehnlichen und braven Zwerge auf den Lehrstühlen des Ostblocks? [...]
Auszug aus dem Nachtrag zur Neuauflage von Fritz Erik Hoevels
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